Hallo winloader :-)
Diese Beitrag dokumentiert, wie ich auf meinen Arbeitsplatz-PC Linux eingerichtet habe und soll einfach mal einen kleinen Erfahrungsbericht darstellen,
für diejenigen die es interessiert.
Da ich eine Linux-Distribution einsetze die sich an fortgeschrittene und lernbereite Linux-Benutzer richtet,
wird auch dieser Beitrag eventuell manches enthalten was vielleicht nur Erfahrenere Benutzer durchblicken.
Also, wenn du ein Anfänger bist und auf Linux umsteigen willst, solltest du vielleicht besser
einen anderen Beitrag zu dem Thema lesen, sonst bekommst du hier vielleicht noch Angst und das wäre schade
Ausgangssituation
-Ein PC (Dell Optiplex 320)
-Windows-XP
-MS Office 2003 & Outlook 2003
-Windows Netzwerk mit Benutzer-Freigaben und MS-Exchange für Groupware
-Eclipse
Linux Distribution - gentoo (Gentoo Linux -- Gentoo Linux News)
Vorteile:
-Sehr performant
-äußerst anpassbar
-kompetente & aktive community
Nachteile:
-erfordert mehr Lernbereitschaft als andere Distributionen
-Einrichtung dauert länger
Mit Gentoo selbst habe ich schon reichlich Erfahrung gesammelt, es war sogar die erste Distribution die ich wirklich selbst sehr aktiv genutzt habe. Insofern hätten mir die basics der Einrichtung keine Probleme bereitet. Hätten - wäre da nicht DELL mit ihrem berühmt berüchtigen verbuggten BIOS.
Aber beginnen wir mit der Formatierung des PCs.
Natürlich habe ich den Rechner nicht ganz platt gemacht, denn ich will dual zwischen Linux und Windows booten können falls notwendig. Dafür musste aber zuerst die Primäre NTFS-Partition geschrumpft werden. Um ohne Datenverlust zu schrumpfen habe ich die Partition vorher gründlich defragmentiert. Dafür empfehlen sich Tools von Drittherstellern, denn das Windows-eigene Defragmentierungswerkzeug ist äußerst oberflächlich.
Dannach habe ich knoppix gebootet, die win-xp partition geschrumpft und im freiwerdenden Bereich Partitionen für mein Linux System angelegt. Mit der Gentoo-Live-Install CD wollte ich anschließend die eigentliche Installation beginnen, musste aber überrascht feststellen, dass die SATA-Festplatte bzw. der Controller nicht erfolgreich eingebunden werden konnte.
OK - dachte ich mir - wenn die Gentoo-CD es nicht kann, machst du's eben mit Knoppix. Gentoo ist ziemlich flexibel was seine Installationsmethoden an geht, eine Knoppix-CD und Internet-Verbindung reichen.
Also wieder knoppix gebootet, gentoo Dateien und tools, optimiert für 64-bit Prozessoren, auf die Linux-partitionen geladen und entpackt.
Beim chrooten in den Gentoo-Bereich offenbarte sich mir aber mein Denkfehler - die Konsole spuckte einen Fehler aus in dem eine inkompatible oder falsch kodierte bash bemängelt wurde. Klarer Fall: der 32-bit kernel der Knoppix CD weiß nichts mit den 64-bit Binary-Dateien aus dem gentoo-chroot anzufangen.
2 Stunden und Versuche mit 3 anderen live-cd's für 64-bit Systeme später endlich kam mir mein Gedächtnis doch ein mal zur Hilfe und ich erinnerte mich an einen Betrag über Dell Optiplex 320 Rechner den ich gelesen hatte.
Nach kurzer recherche brachte der boot-parameter "pci=nomsi", der dem Linux-Kernel beim booten übergeben werden kann, letztlich die Abhilfe und ich konnte die gentoo 64-bit live install CD mit erkannter Festplatte booten.
Solche Abenteuer macht man mit DELL PCs allgemein, hoffentlich jedoch nicht mit den aktuellen, zu UBUNTU Linux kompatiblen geräten des Herstellers.
Der weiteren Ausflüge in Mailinglisten und bugtracker überdrüßig, gestaltete sich der Rest der Installation glücklicherweise unkompliziert.
Dem verbuggten BIOS verdanke ich es auch dass ich statt bootmanager "grub" (standard bei den meisten Distributionen) auf sein älteres Pendant "Lilo" zurück greifen musste und das Boot Menü ist bei Lilo nicht unbedingt eine Zierde, aber es verrichtet seine Aufgabe vorzüglich und bootete in mein neues System.
Dass die Hardware nach dem ersten reboot gleich komplett erkannt wurde freute mich als Gentoo User gerade deshalb um so mehr, weil während der Installation meist die Geräte-Treiber und andere Kernelkonfiguration ausgewählt werden - und zwar manuell durch den User. Dadurch entsteht ein sehr schlanker Kernel ohne viele Module, es setzt jedoch vorraus, dass man seine hardware kennt.
Doch nach dem reboot bleibt noch viel zu tun. Von hause aus installiert gentoo nur das allernötigste. Ein schlankeres Grundsystem bietet nicht einmal debian.
Also habe ich noch installiert:
X-Server, Firefox, Openoffice, SUN's java-jdk, evolution, eclipse, Samba, HP-Druckertreiber, WINE und proprietäre ATI-Treiber.
Als Desktopumgebung kommt bei mir primär KDE 3.5.* zum Einsatz obwohl auch XFCE4 und GNOME installiert sind.
Die ATI-Treiber machten anfangs die bekannten Zicken, doch gab es auch ein Einstellungsproblem dass ich durch Entfernen des Eintrages für 32-bit system-bibilotheken aus dem Verzeichnis /etc/env.d für ati-treiber beheben konnte.
Zum installieren unter Gentoo muss man sagen dass es sich signifikant von den Methoden anderer Distributionen unterscheidet, da Software Grundsätzlich als Soruce-Code bezogen und auf dem eigenen PC oder Server kompiliert wird.
Dass kann seine Zeit dauern, durch diese Übersetzung in Maschinen-code können die entstehenden ausführbaren Dateien (binaries) und System-Bibliotheken (libraries) aber sehr stark auf das eigene System optimiert werden und so das volle Potential modernen Prozessoren ausnutzen. Ausserdem hält es die Abhängigkeiten zwischen Software-Paketen geringer da man Features die man nicht braucht einfach nicht in die Software hinein kompilieren braucht. Das schont den Speicherbedarf und erhöht die Geschwindigkeit.
Für alle, die Kompatibilität mit Microsoft-Produkten und der Windows-Netzwerk-Welt in Linux kritisieren, sei hier im Resultat meiner Installation, neben Zugriffsmöglichkeiten auf Netzwerkfreigaben und Netzwerkdrucker, als besondere Schmankerl' auf die Installation von Internet-Explorer 6 und 7, sowie funktionierende Anbindung an den MS-Exchange Server hingewiesen.
Zugegeben IE6 und 7 unter Linux brauchen natürlich nur Webseiten-Entwickler oder Masochisten ...
Ich erspare mir die Erklärungen wie das möglich ist und verweise einfach auf das Projekt "ies4linux" De/Hauptseite - IEs4Linux
Wie Ihr richtig vermutet ermöglicht dies natürlich als stärkste Vorraussetzung der Windows "Emulator" WINE.
Nach anfänglicher verwirrung um den wirklichen hostname unseres MS Exchange 2003 Servers, verlief die Einrichtung eines MS Exchange Kontos in Evolution auch schmerzfrei. Der Exchange-Webaccess sollte dazu aber im Exchange-Server aktiviert sein - zumindest für das lokale netzwerk.
MS-Outlook ist sicher keines der schlechtesten Microsoft Produkte, die Thread-Ansicht von Email-Korrespondenzen in Evolution ist jedoch etwas dass ich sehr loben kann.
Neben diesen ganzen für meine Arbeit zum Teil wichtigen Tools läuft (dank plattformunabhängigkeit durch JAVA) natürlich auch Eclipse auf dem Rechner. Das ist essentiel für mich. Allerdings konnte ich nicht auf eine von yoxos zusammengestellte Version zurückgreifen, da diese inkompatibel zu meiner 64-bit Architektur zu sein scheint.
So weit geht die Plattformunabhängigkeit dann wohl doch nicht. Ich verzeihe diesen Schnitzer aber einem so komplexen und kostenfreien(!) Produkt denn die "vanilla" Eclipse 3.3 für Linux läuft tadellos.
Am Ende dieses Beitrages seht ihr noch einen Screenshot von meiner neuen Desktop-Umgebung, die so erfrischend anders als mein altes Windows aussieht und so flüssig flink reagiert. Vielleicht genügt er euch als Anreiz über den "Umstieg" nach zu denken und versöhnt euch über meine doch recht trockenen Ausführungen
viele Grüße
euer Christoph
p.S.: Rechtschreibfehler unterliegen meinem Urheberrecht und dürfen gegen eine einmalige Gebür von 3,84 EUR zitiert werden.


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